Der Chef weiß es besser - oder nicht?

Wie sollten wichtige Entscheidungen in modernen Unternehmen getroffen werden? Die Frage ob es besser ist, Entscheidungen im Team zu treffen oder ob die Entscheidungsfindung der Führungskraft überlassen werden soll, über dieses Thema diskutieren Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler schon seit langer Zeit.

Für Entscheidungen im Team sprechen dabei Studien wie z.B. das Verhalten im sogenannten „Beauty Contest“ von John Maynard Keynes. Eine Untersuchung von Matthias Sutter von der Universität Innsbruck zeigt, daß Teams in diesem Test weniger Fehler machen als Teilnehmer, die alleine entscheiden. Auch die Ergebnisse des bekannten NASA-Spiel, das wir bei educando manchmal in Teamentwicklungen einsetzen, führen zu der Einschätzung, daß Gruppenentscheidungen fast immer zu besseren Ergebnissen führen als die Entscheidung von Einzelpersonen.

Nach meiner Erfahrung sind Teamentscheidungen insbesondere in folgenden Fällen effektiver:

  • die Teams sind heterogen zusammengesetzt - unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven liefern zielsichere Entscheidungen
  • die Komplexität des Projekts ist hoch, verschiedene Themen müssen kombiniert werden
  • es wird konstruktiv diskutiert, einzelne Teammitglieder können Kompromisse eingehen
  • das Umfeld erlaubt kreative Ideen, jeder Teilnehmer darf mitreden und eigene Einschätzungen abgeben
  • die Gruppengröße führt nicht zu Koordinationsproblemen oder dem Social Loafing ("Soziales Faulenzen")

Auch Hochleistungsteams arbeiten nach diesen Prinzipien.

Eine aktuelle Untersuchung der Verhaltensforschung zeigt jedoch noch ein anderes Problem bei der Umsetzung dieser Erkenntnisse: Ernst Fehr von der Universität Zürch hat in einem Experiment die Entscheidungsprozesse in Unternehmen nachspielen lassen und festgestellt, daß viele Führungskräfte auf das Know-How Ihrer Mitarbeiter verzichteten und Entscheidungen lieber eigenmächtig trafen um ihre Macht zu festigen. Die Mitarbeiter, die anfangs noch motiviert und eigenverantwortlich Aufgaben übernahmen lernten schnell, daß sich Engagement nicht lohnte und arbeiteten bald ohne jegliche Eigeninitiative. Das Gefühl nicht mitreden zu können, löste starke negative Gefühle bei den Beteiligten aus. Eine Situation, die auch in vielen Unternehmen anzutreffen ist und deren Langzeitfolge derzeit überall diskutiert wird.

Die Erkenntnis, daß Gruppenentscheidungen in der Regel besser sind als Entscheidungen von Einzelpersonen lässt sich also in der Praxis nur umsetzen, wenn eine Führungskultur vorhanden ist, die nicht auf Machtausübung beruht, sondern auf der Basis von konstruktiver Zusammenarbeit. Für viele Unternehmenskulturen ein Weg, der erst noch gegangen werden muß.

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