Keine iPhones mehr - Entschleunigung bei Apple

Wie stellt man sich die letzte Hauptversammlung der Aktionäre des größten Technologiekonzerns der Welt vor? Menschen, die gebannt auf Apple CEO Tim Cook starren und dabei beinahe zeitgleich die neuesten Worte in die virtuellen Tastaturen ihrer iPads, iPhones und MacBooks hacken, um die News als erste an die Welt weiterzureichen? Pustekuchen.

Schon bei der Einladung erhält man die Information, daß alle elektronischen Geräte (ja, auch Handy und Tablet gehören dazu) Zuhause bleiben bzw. am Eingang abgegeben werden müssen. Auch vor Ort wird dies mit einer Sicherheitsschleuse, Metalldetektoren und Leibesvisitationen genauestens überprüft.

Was soll das? Macht Apple als erfolgreicher Initiator einer neuen Art der Kommunikation nun eine Rolle rückwärts und möchte wieder Werkzeuge einführen, die für viele Technologiebegeisterte wie ein Relikt aus der Steinzeit anmuten? Oder gibt es bald Neuvorstellungen von iPen's oder iBlock's wie Handelsblatt-Autor Axel Postinett in einem Artikel beschrieb?

Natürlich will Apple nicht die Berichte über die Hauptversammlung verhindern, aber sehr wohl den Zeitpunkt bestimmen, wann diese auf den Markt kommen - nach Ende der Veranstaltung.

Wahrscheinlich hat aber auch CEO Tim Cook der Vorstellung etwas abgewinnen können, die ungeteilte Aufmerksamkeit seiner Zuhörer zu haben und nicht beim Blick in die Menge in Hunderte blitzende Handykameras zu schauen.

Ungeteilte Aufmerksamkeit - was in der Sprache häufig verwendet wird ist in der Realität immer mehr verschwunden. In einer Welt der permanenten persönlichen Live-Berichterstattung über Facebook, Twitter, Tumblr u.a. nehmen sich viele Menschen keine Zeit mehr zum Reflektieren, Zuhören und genauen Beobachten. Es gibt nur noch wenige Zonen, in denen Smartphones und Tablets verboten sind, selbst Flugzeuge werden bald für die Internet- und Handynutzung freigegeben.

Nicht dass ich diese Technologien abschaffen möchte, ganz im Gegenteil - ich finde die Möglichkeiten z.B. für mobiles Arbeiten oder den Kontakt mit Freunden unglaublich bereichernd. Aber es gibt Situationen in denen ungeteilte Aufmerksamkeit wieder im Vordergrund stehen muß. Wer schon einmal in Meetings gesessen hat, in denen alle Beteiligten bis auf den Vortragenden auf die Tastaturen ihrer Laptops und Blackberrys tippen, hat ein schönes Bild für das Wort Produktivitätsverlust. Auch gute und belastbare Freundschaften entwickeln sich nicht durch eine Erhöhung der Gefällt Mir-Klickraten bei Facebook, sondern daß ich mir persönlich Zeit für den Anderen nehme.

Kommunikations-Entschleunigung - das wäre wirklich ein "next big thing" wenn wir in der Wortwahl von Steve Jobs bleiben.

Doch vielleicht ist Apple hier (nicht nur auf Hauptversammlung) schon einen Schritt weiter. Mein neues iPhone hat jedenfalls eine schöne neue Funktion - einen "Nicht Stören"-Button für ungeteilte Aufmerksamkeit.Den werde ich jetzt drücken und wünsche allen ein schönes und entspanntes Wochenende...

Ihnen hat dieser Beitrag gefallen? Dann tragen Sie doch auf der rechten Seite Ihre E-Mail ein und Sie erhalten eine Nachricht, sobald ein neuer Artikel erscheint.

zurück

Den Brainstormer lesen