Verlieren um zu gewinnen

Interessante Studie: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Team im Wettbewerb gewinnt, steigt wenn es zwischenzeitlich ein wenig zurückliegt!

Wenn ich zurückdenke an die Zeit, in der ich als Jugendlicher Handball gespielt habe, so sind mir vor allem die Spiele in Erinnerung geblieben, in denen unser Team ein paar Punkte im Hintertreffen war und wir es trotzdem schafften, das Spiel vor Ende noch zu unseren Gunsten zu entscheiden.

Dass es durchaus nicht schlecht für das Endergebnis ist, wenn man während des Spiels zurückliegt, ist nun auch wissenschaftlich nachgewiesen: Prof. Jonah Berger von der Wharton School, Universität von Pennsylvania hat 60.000 unterschiedliche Basketballspiele analysiert, davon 18.000 Spiele der NBA (siehe Management Science Vol. 57). Dabei stellte er fest, dass grundsätzlich die Chance auf den Sieg linear mit den Punkten steigt, die die Mannschaften in Führung lagen. Seltsamerweise aber gewannen die Teams häufiger, die zur Halbzeitpause einen Punkt zurücklagen, als die Teams, die diesen einen Punkt in Führung lagen.

Der geringe Abstand zwischen den Wettbewerbern scheint also besonders zu motivieren, ein Effekt der bei höheren Punktabständen nicht auftritt.

Was bedeutet das für unsere Arbeit mit Teams in Organisationen? Prof. Berger schreibt, dass auch Führungskräfte Ihre Mitarbeiter zusätzlich motivieren können, wenn Sie wettbewerbsorientiertes Feedback geben. Dies funktioniert allerdings nur bei Mitarbeitern, die auch über entsprechendes Selbstvertrauen verfügen. Bei anderen kann dies schnell zu Frustrationen führen.

Ich halte die Untersuchung für sehr spannend, denn sie zeigt vor allem eines:
Als Team (und auch als Einzelperson) brauche ich realistische Ziele, die im vorgegebenen Zeitrahmen erreichbar sind. Utopische „Zielvereinbarungen“ führen auch bei wettbewerbsorientierten Mitarbeitern zu Frustration und dem Gegenteil von Leistungssteigerung. Erfolgreiches Führen mit realistischen Zielen ist übrigens eine Fertigkeit, die erlernt werden kann...

Natürlich können Teams auch in aussichtslosen Situationen großartige Leistungen vollbringen. Ich denke hier an ein denkwürdiges Fussballspiel des Lieblingsclubs meiner Jugendzeit Bayer Uerdingen zurück, der 1986 im Europapokal gegen Dynamo Dresden mit einer legendären Aufholjagd 7:3 gewann. Die Bezeichnung „Wunder von Uerdingen“ zeigt allerdings auch, dass dies eher zu den Ausnahmesituationen gehört.

Wie Teams in derart aussichtslosen Situationen gecoacht werden können, das könnte allerdings ein interessanter nächster Blog-Beitrag sein...

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